FHM Covergirl

Tuning-Queen Katharina Kuhlmann: Grip & Grips

Eine Frau gewordene Barbie, die auf getunte Schlitten abfährt und stundenlang Rennen auf der Playstation zockt. Gibt es nicht? Doch: Katharina Kuhlmann. Die Moderatorin ist ein Kumpeltyp, wie du ihn dir vorstellst.

FOTOS: JOSIP KRSTANOVIC - INTERVIEW: SEBASTIAN BÜTOW

Zum Making of Video springen

Die ist cool, Mann! Katharina Kuhlmann, das Gesicht der deutschen Tuning-Szene, ist das absolute Gegenteil eines blonden Püppchens. Katharina hat Grip und Grips. Hinter dem Barbie-Face der Moderatorin steckt ein kreativer und geschäftstüchtiger Kopf. Und sie ist eine Kämpferin. Gegen ihren Willen hatte selbst der Krebs keine Chance.

Sogar in Amerika stehen sie für ein Autogramm von Katharina Kuhlmann Schlange. Weil sie vor acht Jahren zur „Miss Tuning World“ gekürt wurde, hat sie in der Szene den Status unsterblich. Das bringt dieser Titel so mit sich. Die Messebesucher aus aller Herren Länder reißen sich auf der Sema in Las Vegas um die 34-jährige Blondine. „Es macht mich schon ziemlich stolz, dass ich hier so viele Fans habe“, strahlt Katharina nach der zweistündigen Autogrammstunde auf dem Messegelände in der Paradise Road. Die Moderatorin hat einen Termin nach dem anderen, zumal sie im Mekka der Tuningfans auch ihre eigenen Produkte an den Mann bringen will. Der Höhepunkt ihres Trips ist aber das FHM-Shooting in der Wüste Nevadas. Acht Stunden unter prallster Sonne mit ständig neuen Outfits hat „KK “ hinter sich, als wir sie zum Interview bitten. Erschöpfung? Keine Spur. Ihre großen blauen Augen glänzen, und sie schwärmt: „Dieses Shooting war genial, genau mein Style. Alte Pick-ups in der Wüste, einige Fotos spielen auf Jessica Simpson in ,Ein Duke kommt selten allein‘ an – für mich war’s der absolute Knaller. Es ist eine ganz große Nummer, dass FHM mich gefragt hat.“ 

 

Wie unterscheidet sich denn die private Katharina Kuhlmann von der TV-Katharina?

Ich denke, gar nicht! Ich bin ein Kumpeltyp und mag es nicht, wenn ich mich verstellen muss. In der Tuning-Welt würde ich gar nicht zurechtkommen, wenn ich arrogant rüberkäme oder eine unnahbare Claudia Schiffer wäre. Die Tuning-Leute wollen jemanden, der sie versteht. Und ich verstehe sie.

 

Du siehst super aus, fährst auf getunte Autos ab und zockst stundenlang „Race Driver: Grid“ auf der Playstation. Diese Kombination macht dich zum ultimativen Männertraum. Wo ist bei dir der Haken?

Das Problem bei mir ist: Ich bin eine Frau, aber ich stehe meinen Mann, wenn du verstehst, was ich meine. Da möchte ich gerne mehr hören. Ich ziehe meine Sachen immer sehr straight durch und bin irgendwie auch ein Einzelgänger. Ein Mann möchte aber auch mal gebraucht werden. Ich weiß, dass ich für viele eine Puppe verkörpere. Damit spiele ich auch – aber ich bin keine.

 

Dein Spitzname ist „Terror-Barbie“. Wird er dir gerecht?

Absolut. Wo ich bin, ist es laut, ich hinterlasse überall einen Fußabdruck und bin immer eine Spur kamikazemäßig unterwegs. Und vom Typ bin ich nun mal eine Barbie. Deshalb finde ich, dass der Name ganz gut passt!

 

Wann hat dich das Tuning-Virus befallen?

Als Jugendliche bin ich von Hannover an den Bodensee gezogen. Im Gegensatz zur Großstadt braucht man in dieser Region ein Auto, um von A nach B zu kommen. Als ich dort Tuning-Cliquen kennengelernt habe, war ich ziemlich skeptisch, zuerst habe ich die Leidenschaft für aufgemotzte Autos sogar belächelt. Doch als ich 18 wurde und den Führerschein gemacht habe, hat es bei mir Klick gemacht. Seit ich selbst fahre, schlägt mein Herz für Autos und Tuning. Die Tuning-Gemeinde gibt einem auch Halt, es geht sehr familiär zu.

 

Wie hast du den Sprung zum Fernsehen geschafft?

Das war ziemlich witzig! Als ich nach meiner Wahl zur Miss Tuning bei der Motor Show in Essen interviewt wurde, wollte man mich ein bisschen durch den Kakao ziehen: Mit Fragen wie „Wie viel Hubraum hat denn der Kofferraum?“ Doch weil ich die eine oder andere Frage wirklich beantworten konnte, kam bei denen der Aha-Effekt: Die sieht gut aus und hat wirklich Ahnung von Autos. Und so wurde ich zum Casting für Tuning TV eingeladen.

 

Du bist nicht nur Moderatorin, sondern auch Geschäftsfrau. Was steckt hinter deinem Label „KK Cocoon“?

Hier in Las Vegas findet eine Weltpremiere statt! Ich bringe nämlich Designeffekt-Folien für Autos auf den Markt, als günstige Alternative zum aufwendigen, mehrschichtigen Lackieren. Die gibt es zum Beispiel im Reptilien-Look oder mit 3-D-Effekt. Meine Folien haben auch den Vorteil, dass man sie leicht wieder entfernen kann. 

 

Vor vier Jahren hast du eine längere Auszeit genommen. Was war da los?

Darüber habe ich bisher nicht öffentlich gesprochen. Ich hatte Krebs, einen Magentumor. Es hat ganz schön lange gedauert, bis ich mich davon erholt habe. Ich hatte eine Chemotherapie, musste viele Tabletten nehmen, mein Körper war eine Müllhalde. Ich musste das auch psychisch aufarbeiten. Zum Glück ist diese Geschichte gut ausgegangen. Man darf aber niemals aufgeben.

 

Welches Auto fährst du zurzeit?

Einen Nissan 350 Z – viel Auto für wenig Geld. Weil ich ein kleiner Speed-Junkie bin, habe ich das Auto natürlich leicht aufgemotzt, von 285 auf 305 PS . Legal, versteht sich. Außerdem tune ich den Motor mit Lachgas. Das ist, außer in den USA , eigentlich überall auf der Welt verboten, weil Lachgas unter das Betäubungsmittelgesetz fällt. Aber weil ich dem Lachgas Brechmittel hinzufüge, kann ich es nicht mehr konsumieren – und bin gesetzlich fein raus. Dadurch habe ich auf Knopfdruck 85 PS mehr! Der Spaß hält aber nur fünf Minuten an, dann ist die Flasche leer. Und bald fahre ich einen Skyline 33, das Auto von Paul Walker in „The Fast And The Furious“!

 

Ist in Flensburg alles okay bei dir?

Zwei Jahre war ich jetzt wirklich artig, bin wieder auf null! Davor hatte ich elf Punkte. Einmal haben mich Schweizer Polizisten angehalten. Ich war so schnell, dass der Lappen weg gewesen wäre. Aber die Polizisten waren Fans, wollten ein Foto mit mir – und haben mich weiterfahren lassen. Zum Glück war keine Polizistin dabei.

 

Bist du zurzeit verliebt?

Ja, ich bin wieder sehr glücklich, nachdem ich lange gelitten habe. Mein Ex-Freund, mit dem ich ein Jahr zusammen war, wollte sich nicht zu mir bekennen. Mit meinem neuen Freund Leif bin ich seit acht Wochen zusammen. Ich habe beschlossen, dass wir erst in der Hochzeitsnacht intim werden. Das klingt jetzt hart und schockierend für einen Mann, aber ich will das so. Und Leif teilt diese Philosophie.

 

Hat diese Entscheidung religiöse Gründe?

Bei meinem Freund schon, bei mir nicht. Das soll etwas Besonderes sein! Wenn es weiterhin so gut läuft, kann ich mir sehr gut vorstellen, Leif zu heiraten. Wir haben schon darüber gesprochen.

 

(Interview und Fotos stammen aus der FHM-Ausgabe 12/2011)

HTML5 Video Playerby VideoJS